“Immer schön Lean bleiben”

“Immer schön Lean bleiben”

Bericht über einen Lean-Management-Workshop bei berater e. V.

TitelbildNachhaltigkeit ist das Thema der letzten Jahre. Neben der Forderung nach umweltverträglicher Produktion finden große Wirtschaftsunternehmen ein weiteres Anwendungsfeld in der Personalentwicklung. Denn wer heute mehr in seine Mitarbeiter investiert, hat morgen ein Vielfaches davon. Studentische Unternehmensberatungen wie berater e.V. der Johannes Gutenberg- Universität Mainz nehmen sich ein Beispiel. Und das schon seit längerem.


Es ist 20 Uhr im Haus für Recht und Wirtschaft auf dem Campus in Mainz. Vereinzelt sitzen Studenten über Bücher und Tablets gebeugt, die Mensaria hat bereits ihre Rolläden heruntergelassen. Wer jetzt noch Koffein braucht, muss die Brühe aus den schicken Kaffeeautomaten trinken.

Marcel Heinz empfängt die letzten Teilnehmer des heutigen Workshops mit einem Lächeln. Statt Büffeln bei edlem Nuss-Rosinen Mix freuen sich die studentischen Unternehmensberater auf die angehende Schulung: Eine praktische Einführung in das Lean-Management. Geleitet wird sie von Herrn Heinz, Ressortleiter für Qualitätsmanagement bei berater e.V., der studentischen Unternehmensberatung der Universität Mainz.

„Interne Schulungen gehören bei berater e.V. dazu“, sagt er. Jedes Mitglied werde ermutigt sein Wissen zu teilen. „Davon profitieren wir und natürlich unsere Kunden.“ Erst vergangene Woche fand ein Workshop zum Thema „Mach dich selbst zur Marke“ statt. Ziel war es die Teilnehmer für ihre Talente zu sensibilisieren und ihnen Methoden an die Hand zu geben, um daraus echte Stärken zu machen.

Dem Thema Mitarbeiterentwicklung ist besonders in den vergangenen Jahren immer mehr Bedeutung beigekommen. Der repräsentativ erhobene „Engagement-Index“ der Strategieberatung Gallup misst die emotionale Bindung von Mitarbeitern zu ihren Arbeitgebern in Deutschland. Sie bestätigt 2012 wiederholt, dass „wachsen und sich weiterentwickeln“ sowie kompetente Führungskräfte die wichtigsten Faktoren für die Arbeitszufriedenheit sind. Die Studie stellt fest, dass bereits 24% der deutschen Arbeitnehmer innerlich bereits gekündigt haben; Tendenz steigend.

Und das obwohl die Motivationspsychologie und Gehirnforschung in den letzten Jahren wichtige Erkenntnisse zu diesem Thema beigetragen haben. Sie legen nahe, dass ein Mensch, der Freude an seiner Arbeit hat darin wachsen und besser werden will. Er will sehen, dass er etwas verändern und schaffen kann. Das Motiv sei Selbstbestimmung und das erreichte Ziel persönlicher Erfolg. Aus stupider Arbeit würde daher keine Motivation erwachsen, die von innen kommt, weil das Ergebnis kein persönlicher Erfolg sei. Diese intrinsische Motivation ist auch laut der deutschen Gesellschaft für Wirtschaftsforschung der Schlüssel zu zufriedenen Mitarbeitern und weder mit einem hohen Einkommen noch durch Boni zu fördern geschweige denn zu wecken.

Weiterbildungen sind daher nicht nur Abwechslung zur beruflichen Routine, sondern auch Möglichkeiten Neues (kennen-)zu lernen. Das bestätigt auch die Gehirnforschung. Der Schlüssel für Interesse und Lernbereitschaft sei ein Mix aus Bekanntem (Familiarity) und Neuem (Novelty). Nur solange unser Denkorgan mit bisher Unbekanntem konfrontiert wird, bleibt es wach und lernbereit.
Die Kursteilnehmer von berater e.V. sind aus Interesse und freien Stücken so spät noch an der Uni. Sie schnuppern die Unternehmensberaterluft noch begleitend zu ihrem Studi- um. Obwohl viele von ihnen schon einige Stunden an diesem Tag auf dem Campus zugebracht haben, sind sie motiviert und gut aufgelegt.

Der Workshop beginnt mit Theorie, die das Konzept des schlanken Managements kurz erläutert. Grob gesagt geht es um die kontinuierliche Verbesserung interner und die Verschlankung auf wertschöpfende Prozesse. Das Konzept stammt ursprünglich aus Japan und wird bereits in weiterführenden Studiengängen an vielen deutschen Universitäten angeboten.

Nach der kurzen Einführung geht es an‘s Optimieren. Es geht um die Produktion von Häusern aus Legobausteinen, die in mehreren Schritten effizienter gestaltet werden soll. Dafür werden Teams gebildet, die jeweils einen Schritt des Herstellungsprozesses übernehmen. Das letzte Team ist mit der Fertigstellung und Auslieferung der Häuser betraut. Was genau jedes Team zu tun hat, ist vorgegeben. Nach jeder Produktionsserie tauschen sich die Teilnehmer über den anfangs noch sehr behäbigen Herstellungsprozess aus.

Es wird zusammengetragen, was gut und weniger gut lief. Bevor ein neuer Herstellungszyklus beginnt, führt der Kursleiter Marcel Heinz eine neue Optimierung ein. Damit ändert sich der Ablauf des Prozesses, wodruch nach jeder Runde ein besseres Ergebnis erzielt wird. Das macht Spaß und motiviert. Nicht zuletzt trägt auch die überraschend konstruktive Stimmung zu einer guten Lernatmosphäre bei. Es sei wie in produktiven Unternehmen, bestätigt ein Teil- nehmer. „Wenn eine Atmosphäre herrscht, in der man sich wohl fühlt, macht die Umsetzung im Team Spaß.“

Inzwischen ist es etwa 22:30 Uhr und die Teilnehmer haben die Theorie in mehreren Runden umgesetzt. Nach nun einigen Anpassungen ist der Prozess noch nicht vollends effizient. Das soll sich nach der letzten Optimierung diesen abends, sozusagen der Abschlussprüfung für die studentischen Unternehmensberater, ändern. Nach einer kurzen Bearbeitungszeit stellen sie ihr Modell vor und spielen es durch.

Das Ergebnis ist ein effizienter Prozess, der eine überdurchschnittlich gute Figur macht. Die Mainzer stellten den bis dahin geltenden Rekord von 25 Häusern mit 42 produzierten Häusern ein, wenn auch dadurch, dass sie eine Lücke im System nutzten, wie der Kursleiter schmunzelnd einräumte. „Aber in der Praxis sind geringere Kosten geringere Kosten. Punkt.“ Dieses Plädoyer wurde genugtuend von den Junior- Beratern zur Kenntnis genommen.

Letzter Programmpunkt ist die Bewertung des Workshops. Hierfür nehmen sich alle Teilnehmer selbst um elf Uhr noch Zeit. So kann schließlich auch der Kursleiter etwas mitnehmen. Auch hier entsteht der Eindruck, dass berater e.V. kein Feierabendprogramm macht. „Wir wollen Weiterbildung weiterhin groß schreiben. Denn hiervon gewinnen wir alle.“

Der Raum leert sich allmählich, während die Vorstandsvorsitzende mit Herrn Heinz noch letzte Nettigkeiten austauscht. Die beiden waren mit dem Workshop sehr zufrieden. Ein Blick auf den obersten der Feedbackbögen bestätigt ihren Eindruck. Dann verabschieden sie sich. Sie werden sich morgen wieder in der wöchentlichen Sitzung sehen. Er schlendert zum Ausgang und grinst, als ihm durch das leere Fakultätsgebäude „Und immer schön lean bleiben“ entgegen hallt.